Babyblues

Die ersten Wochen mit der Kleinen waren leider nicht ganz so einfach. Es kam vieles zusammen, was diese negativen Gefühle verstärkte. Ich finde, dass dieses Thema sehr selten behandelt wird und oft geschwiegen wird. Man stellt sich ja die erste Zeit mit dem Baby so rosarot und supi vor. Man ist voller Liebe und hat das kleine, friedlich schlafende Wesen auf dem Arm und es könnte nicht schöner sein…Das mag vielleicht auch bei vielen so sein. Bei mir jedenfalls nicht. Schon im Krankenhaus kam ich teilweise an meine Grenzen. Ständig kamen Ärzte oder Schwestern rein, die irgendetwas wissen wollten oder an mir oder meiner Tochter rumfummelten. Außerdem wurde ich ja auch untenrum genäht. Die Risse waren zum Glück nur minimal, trotzdem tat es beim Toilettengang echt weh und die Prozedur der Reinigung war auch nicht Mal schnell, schnell erledigt. Das musste aber eigentlich schnell gehen, denn meine Tochter war von Anfang an, ein sehr waches, aufmerksames Baby. Sie schlief, verhältnismäßig zu anderen Neugeborenen, echt wenig und wenn dann nur auf mir drauf. Überhaupt war an ablegen nicht zu denken. Nach spätestens einer Minute ging das Geschrei los. Und man kennt ja dieses süße, herzergreifende Neugeborenenwimmern. Nicht bei der Raupe. Sie hatte ein Organ. Mein lieber Scholli. Das war wirklich sehr laut. Mein Freund war zwar den ganzen Tag da und unterstützte mich aber da es ein Einzelzimmer war, musste er nachts immer heim fahren. Aber die Nächte waren wirklich nicht ohne. Ich kam kaum zum Schlafen. Tagsüber Mal kurz, wenn mein Freund die kleine hatte, bis sie wieder Hunger bekam. Ich hingegen hatte am Anfang überhaupt keinen Appetit. So geht es vermutlich jeder Frischmami. Ich musste regelrecht zum Essen genötigt werden. Diese Kombi aus chronischem Schlafmangel und zu wenig Nahrung, machte mich auch nicht gerade glücklicher. Außerdem neigte ich eh schon vor der Geburt und der Schwangerschaft öfter Mal zu depressiven Gefühlen. Nie extrem aber ab und zu kamen sie eben durch. Jedenfalls freute ich mich auf zu Hause und hoffte, dass da dann alles besser wurde. Dann hatte die Kleine aber auf einmal Fieber und wir mussten erstens zufüttern, weil mein Milcheinschuss wohl noch nicht da war und die Kleine dann nicht genug zu trinken hatte. Und wir mussten noch einen Tag und vor allem eine Nacht länger bleiben. Oh nein.

Der Daumen nach oben war eher um mir selbst Mut zu machen. Eigentlich war ich echt total am Ende.

Dann war es endlich so weit. Ein Mittwoch. Nach Hause. Wie sehr ich mich freute. Die ersten Tage zu Hause waren auch noch ganz in Ordnung. Das Pipi machen brannte immernoch. Der Hunger hielt sich immer noch in Grenzen, wurde aber wieder bisschen mehr. Die Kleine sehr viel am Weinen. Immernoch. Aber wir kuschelten viel mit ihr und dann ging es. Leider musste aber mein Freund am darauffolgenden Montag schon wieder arbeiten. Ich war so überfordert. Ich kam ja mit mir selbst überhaupt noch nicht klar. Mein Körper fühlte sich nach der Geburt total fremd an. Und ich war allgemein noch sehr schwach. Und dann noch bis spät nachmittags alleine mit einem Baby, welches mir im Endeffekt ja auch noch total fremd war. Natürlich wusste ich, dass es mein Baby war und ich liebte sie schon sehr aber irgendwie spürte ich da nicht so eine tiefe, automatische Verbundenheit. Ich dachte ja immer, wenn das Baby da ist, ist man dauerglücklich und würde für sein Baby sterben. Natürlich gab ich alles und versuchte es auch bestmöglichst zu versorgen. Aber es war irgendwie alles so automatisch, so ohne Gefühl. Ich machte die Dinge eben, weil man sie machen musste. Wickeln. Stillen. In den Schlaf schaukeln. Beruhigen. Wickeln. Stillen. usw. Ich machte das alles nicht so aus tiefer innerlicher Liebe, wie ich es eben dachte, dass ich es tun werde. Das schockierte mich. Und mein Selbstbewusstsein als Mutter sank noch weiter herab. Warum liebe ich denn mein Baby nicht richtig? Wieso macht mir das alles hier keinen Spaß? Warum wünsche ich mir so oft mein altes Leben zurück? Ich wollte dieses Baby vorher doch so unbedingt haben und hatte es mir so schön vorgestellt. Denkste.

Dieser Blick trifft schon eher meine Gefühlslage der ersten Wochen.

Dann hatte Ronja eigentlich schon von Anfang an sehr starke Bauchschmerzen(dazu aber Mal einen extra Bericht), mit denen sie noch ziemlich lange zu kämpfen haben sollte. Das machte auch ihr befinden nicht besser und ließ mich wiederrum weiter Zweifeln. Mache ich denn alles falsch? Warum geht es der kleinen denn so schlecht? Und der ganze Besuch. Oje. Natürlich wollten alle die kleine Maus sehen. Verstehe ich ja. Aber ich glaube, sie wussten irgendwie nicht, wie verdammt anstrengend das für mich war. Und mir fällt es einfach total schwer jemanden abzuweisen und nein zu sagen. Aber während des Besuchs einen halbwegs glücklichen und gefestigten Eindruck zu machen, raubte mir dann noch die letzten Kräfte. Ich weinte sehr viel. Wenn ich alleine war. Oder wenn mein Freund da war. Und ich bin so froh, ihn zu haben. Seine ruhige Art half mir auch sehr aus diesem Loch heraus. So wie es mir schon die vielen Male davor geholfen hatte. Natürlich wusste auch er meistens nicht, was jetzt richtig oder falsch war, aber es half einfach, dass ich mit den Fragen und der Überforderung nicht alleine war. Und seine Umarmungen halfen mir auch sehr. Die Hebamme die zu mir kam war wirklich sehr nett aber auch ihre Besuche stressten mich eher. Mich am Anfang überhaupt von der Couch aufzuraffen(natürlich die Kleine immer auf meinem Arm), viel mir schon unglaublich schwer. Und ich glaube sie bemerkte leider gar nicht, wie schlecht es mir am Anfang wirklich ging.

Dieser Anblick machte mich tatsächlich immer glücklich. Die beiden zusammen zu sehen. Da würde mein Herz ein bisschen weniger schwer.

Die Verbindung zu der kleinen Ronja wurde so langsam stärker, in den nächsten Wochen und auch in meiner Mutterrolle kam ich immer mehr an. Aber eins muss ich noch sagen und das schockiert mich jetzt im Nachhinein noch selber, wenn ich daran zurück denke. Aber ich habe damals so empfunden. Irgendwie fand ich meine Tochter nicht süß und auch nicht hübsch. Ich dachte ja immer einer Mutter wäre es total egal, wie ihr Kind aussieht oder anders: Jede Mutter denkt, ihr Kind sei das schönste auf der ganzen Welt, auch wenn es das nicht ist. Und bei mir war es anders. Irgendwie hatte ich sie mir anders vorgestellt. Und das treibt mir heute noch Tränen in die Augen, dass ich jemals so enttäuscht von meinem eigenen Kind sein konnte. Das tut mir so unendlich leid. Aber mein Kopf hatte sich da solche Sachen zusammengesponnen. Es machte es irgendwie auch nicht besser, dass alle, die die Kleine am Anfang sahen immer sagten, dass sie komplett aussähe wie mein Freund. Und ich empfand das ja auch selber so. Und irgendwie hatte ich mir es so ausgemalt, dass sie auch ein bisschen nach mir käme. Jede Mutter sucht doch auch nach Merkmalen, die ihr ähneln. Ich fand kein einziges. Wenn sie nicht aus mir rausgekommen wäre, hätte ich echt daran gezweifelt, dass ich gentechnisch da überhaupt drinnen bin. Sie sah aus wie ein geklonter, weiblicher Mini-Rene.(mein Freund). All dies war irgendwie schwer für mich zu ertragen. Aber meine Mutter sagte zu mir, dass es eben nicht immer alles am Anfang so rosig und perfekt ist. Und man auch Mal traurig sein darf und zweifeln darf. Und sie versicherte mir, dass ich eine total süße Tochter habe. Vor allem ihr Temperament und ihre Persönlichkeit, die sie einfach schon von Anfang an hatte und auch zeigte, seien doch wunderbar. Und sie hatte ja auch Recht. Das half mir und seit dem entdeckte ich auch immer mehr die unglaublich vielen tollen Dinge an meiner Tochter. Und wurde von Tag zu Tag fröhlicher und vor allem dankbarer, was für ein wahnsinnig toller und schöner(von innen und von außen) Mensch sie doch ist. Und unsere Bindung wurde von Tag zu Tag stärker und auch diese Mutterliebe, alles für dieses Wesen zu tun, kam endlich. Aber es dauerte sicher so vier, fünf Wochen, bis diese negativen Gefühle weitestgehend verschwunden waren. Es war ein Kampf, den die Kleine und ich aber sicherlich gewonnen haben. Zusammen.

Im Nachhinein muss ich sagen, haben eben der Schlafmangel und die Hormone und die Überforderung mit der Kleinen, die eben nunmal kein „Anfängerbaby“ war, diese ganzen Gefühle ausgelöst und meine eh schon oftmals eher pessimistische Psyche hat ihr übrigstes dazu getan. Und diese Gefühle waren wirklich nicht schön. Die ersten Wochen waren für uns als kleine Familie nicht einfach aber wir haben es geschafft. Dadurch, dass ich mir klar wurde, dass es eben nicht immer so „perfekt“ ist, wie es überall in den sozialen Medien zu sehen ist und dadurch, dass ich offen mit meinen Liebsten über meine Probleme geredet habe. Und mir darüber klar geworden bin, dass ich noch nie der „Liebe auf den ersten Blick“-Typ war. Aber wenn mein Herz dann jemanden dort aufnimmt, dann dafür umso stärker. Und so ist es auch. Meine Tochter ist jetzt dreizehn Wochen alt und ich liebe sie so abgöttisch. Mein kleiner, süßer Wirbelwind, der übrigens immer noch aussieht wie mein Freund. Mittlerweile gibt es aber auch ein, zwei Dinge, die ein bisschen nach mir aussehen. Und vor allem hat sie ihre sensible Art, ihre Energie und das sie gerne und viel brabbelt von mir. Du bist für uns perfekt, kleine Raupe. Wir lieben dich so sehr!

Mein kleines Energiebündel mit zwölf Wochen. Danke, dass du unsere Tochter bist!

Die Geburt meiner kleinen Lieblingsraupe 🐛

So, dieser Blog handelt von meiner Tochter Ronja. Sie ist mein erstes Kind und sie kam am 01.02.2020 zur Welt. Genau an ihrem errechneten Geburtstermin. Ich schreibe das hier für mich, damit ich mir wirklich alles, was meine Ronja(Spitzname ist Raupe) betrifft, merken kann. Aber auch für sie, denn vielleicht findet sie es ja, wenn sie älter ist auch interessant, ein bisschen was über sich zu lesen.

Die Geburt:

31.01.20: Frauenarzttermin. Die Ärztin untersuchte mich und sagt das noch alles sehr intakt aussieht. Dem Baby geht es gut, die Plazenta schaut toll aus und der Muttermund ist noch komplett verschlossen und auch kein verkürzter Gebärmutterhals…also noch keinerlei Anzeichen, dass es bald losgehen würde. „Das kann noch dauern.“, sagte die Ärztin. Hm, na toll, da morgen der errechnete Geburtstermin der Kleinen ist, müsste ich dann ab da alle zwei Tage zum Arzt zur Kontrolle und nicht mehr nur einmal die Woche. Außerdem hatte ich wirklich keine Lust mehr schwanger zu sein, ich hatte ja auch 30 kg!! zugenommen und alles war einfach nur noch anstrengend. Es war übrigens Freitag. Ich stellte mich also auf ein ruhiges Wochenende ohne Geburt ein. Mein Freund und ich hatten auch nichts vor, also würde es wohl ganz entspannt werden.

01.02.20: Ich hatte eine etwas unruhige Nacht. Um sechs Uhr früh wachte ich mal wieder auf. Doch diesemal war es anders. Ein Stechen ging durch meinen Unterbauch. Ich war noch so im Halbschlaf und hatte auch keine Lust jetzt deswegen wach zu werden. Ich krümmte mich also ein bisschen zusammen, rollte mich auf die Seite, kuschelte mich an meinen Freund und schlummerte nochmal weg. Um halb acht war ich dann aber wirklich wach, denn schon wieder dieses Stechen im Bauch. Ich drehte mich also wieder zurück auf den Rücken und da merkte ich, dass es lief. Ja, es lief mir unten raus, so dass schon eine richtig nasse Lache sich vor mir auf dem Bettlaken gebildet hatte. Bin ich jetzt inkontinent? fragte ich mich kurz, bis mir dämmerte, dass es wohl meine Fruchtblase sei, die geplatzt war. Jetzt? Im Bett? Um halb Acht Uhr früh? So richtig glauben konnte ich es noch nicht. Es lief weiter. Ich stupste meinen Freund an. Ein brummeliges „Hmmm“ kam zurück. Ich stupste ihn nochmal, diesmal etwas stärker an und mehr als ein „Äh…“, brachte ich nicht heraus. Das musste ihm aber gereicht haben, um zu verstehen, dass etwas nicht stimmte. Sofort saß er im Bett und fragte „Geht es jetzt los?“. Ich zeigte nur auf die immer größer werdende Fruchtwasserpfütze und sagte:“ Ich glaub schon.“ Wir waren natürlich total aufgeregt. Ich hatte aber noch keine Schmerzen und ich wusste ja, dass wir jetzt dann bald los ins Krankenhaus fahren würden. Ich wollte aber vorher noch duschen, damit ich mich ein bisschen sauberer fühlte, obwohl ich wusste, dass es nicht so lange anhalten würde mit dem Sauberkeitsgefühl, denn es lief immer weiter. Egal. Trotzdem duschen. Wie kann man so viel Wasser in sich tragen? Während ich duschte, rief mein Freund und bald Papa meine Mutter und bald Oma an, denn sie fuhr auch mit ins Krankenhaus. Das wollte ich so. Kurz vor der Fahrt überlegten wir nochmal, ob wir auch wirklich alles hatten: Kliniktasche, Mutterpass, Snacks und Getränke, etc. Dann ging es los in Richtung Krankenhaus.

Als wir an der Geißenhofer Klinik am englischen Garten ankamen, hatte ich immer noch keine Wehen. Wir meldeten uns kurz beim Empfang an und die Frau dort schickte uns direkt in den Kreissaal. Dann wurde erstmal kontrolliert, ob auch wirklich Fruchtwasser aus mir austrat. Naja wenn nicht, wäre es ein bisschen gruselig, bei der Menge an Flüssigkeit, die gelaufen war. Und natürlich hatte ich trotz vorherigen Überlegungen trotzdem etwas vergessen. Meine Versicherungskarte. Na toll. Mein armer Freund fuhr nochmal heim, um sie zu holen. In der Zeit waren meine Mama und ich immer noch in einem der Kreissäle und ich war das erste Mal an diesem Tag am CTG. Langsam waren auch gaaaaanz leichte Wehen zu spüren. Auch bei der vaginalen Untersuchung war alles gut. Der Gebärmutterhals war schon sehr kurz. Die Hebamme schickte uns zum spazieren und sagte, dass wir in zwei Stunden nochmal kommen sollen.

Da mein Zimmer eh noch nicht bezugsfertig war, gingen wir direkt los. Und wo könnte man schöner spazieren, als im englischen Garten. Und jetzt kommt’s: es war ja der erste Februar und es war tatsächlich so warm, dass man in T-Shirt spazieren konnte. Also ließen wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen und liefen ein bisschen durch die Gegend. Mittlerweile waren die Wehen auch schon so stark, dass ich sie zumindest schon ein bisschen veratmen musste. Um 12 Uhr stand dann eben das nächste CTG im Kreissaal an. Immernoch alles gut. Baby ging es super. Muttermund weich. Diesmal war mein Freund beim CTG dabei. Meine Mama war in der Zeit in der Stadt unterwegs. Es durfte nämlich immer nur eine Begleitung mit in den Kreissaal. Außerdem konnte ich nach der Untersuchung endlich das Zimmer beziehen. Es war ein Einzelzimmer. Ein Familienzimmer haben wir leider nicht bekommen. Ich räumte ein bisschen meinen Kram aus und machte es mir dort im Zimmer gemütlich. Die nächste Kontrolle im Kreissaal war erst um drei und deswegen beschlossen wir, nochmal ein bisschen zu spazieren. Diesmal im Garten der Klinik. Wirklich ein schöner Garten. Dort trafen wir auch wieder auf meine Mama. Die Wehen wurden stärker und stärker. Immer öfter musste ich bei einer Wehe stehenbleiben, damit ich mich aufs veratmen konzentrieren konnte. Wir beschlossen uns noch ein bisschen in die Cafeteria zu setzen, bis zur nächsten Untersuchung. Ich aß nochmal ein schönes Stück Himbeerkuchen. Lecker.

Um drei beim nächsten CTG hatte ich wirklich schon sehr starke Wehen. Auch der Wehenschreiber schlug ordentlich aus. Ich machte nun sogar schon Geräusche beim veratmen. Aber es war immer noch nicht sehr viel passiert. Muttermund einen Zentimeter offen. Hm. Na wenigstens geht es ein bisschen voran. Wir wurden aufs Zimmer geschickt und wenn was wäre, sollte ich einfach kommen. Ansonsten wäre um sieben wieder Kontrolle. Es war nun ca. vier Uhr nachmittags. Spazieren konnte und wollte ich nicht mehr. Die Schmerzen waren jetzt schon ziemlich heftig. Im Zimmer legte ich mich aufs Bett. Liegen ging ganz gut. Bei jeder Wehe krümmte ich mich und atmete und tönte. Wir sahen auf die Uhr, um die Abstände zwischen den Wehen zu messen. Zuerst alle 10 Minuten, aber ganz schnell wurde der Abstand immer kürzer, bis so alle vier Minuten eine Wehe kam. Und auch jede Wehe für sich dauerte immer länger. Meine Mama und mein Freund standen mir ganz lieb zur Seite. Versuchten mich abzulenken und meine Mama massierte mir meine Füße zwischen den Wehen. Es war sehr energieraubend. Irgendwann nickte ich in den Wehenpausen immer weg und wachte zur nächsten Wehe wieder auf. Da sieht man mal, was der Körper in dieser Situation leistet und wie fertig einen das macht. Leider wurde der Abstand zwischen den Wehen immer noch kürzer, so dass ich kaum noch Pause hatte zum Durchatmen. Ich versuchte es im Stehen, vielleicht war es ja so einfacher auszuhalten. Aber es half nicht. Es war einfach so schmerzhaft. Um sechs hielt ich es nicht mehr aus und ich sagte, dass ich jetzt in den Kreissaal möchte und die mir da irgendein Schmerzmittel geben sollen.

Der Weg in den Kreissaal war die Hölle. Ich kam kaum vorwärts weil ich so viele Wehen hatte. Bei jeder Wehe blieb ich stehen und atmete und mittlerweile war es schon ein ziemlich lautes Tönen. Diesmal kam ich in den anderen Kreissaal. Erstmal wieder CTG und Untersuchung. Zwei Zentimeter offen. Was? Diese ganze Qual für einen blöden Zentimeter. Ich hatte ja noch acht vor mir und es war ja so schon kaum auszuhalten. Außerdem war Ronjas Kopf noch sehr weit oben und war noch nicht in den Geburtskanal gerutscht. Ich war frustriert. Gegen die Schmerzen sollte ich Buscopan über meinen Zugang zugeführt bekommen. Aber das war mir schon vorher klar, dass das nicht wirkt. Das ist bei der Tablettenform genauso. Aber ich ließ es die Hebamme ausprobieren. Und naja was soll ich sagen? Kein Unterschied. Immer noch höllische Schmerzen bei jeder Wehe. Meine Mama und mein Freund lösten sich immer wieder ab. Gerade war mein Freund da. Ich hielt es wirklich kaum noch aus. Vor allem da ich nun so etwas wie einen Wehensturm zu haben schien. Denn jetzt konnte man nicht mehr von Wehenpausen sprechen…gerade wenn ich dachte, dass die Wehe jetzt langsam am abklingen wäre, überkam mich schon die nächste. Es war wirklich eine Tortur. Ich machte meinen Freund klar, dass ich jetzt eine PDA wollte. Denn die Hebamme hatte vorher auch noch gesagt, da das auch die erste Geburt sei, könnte das noch die ganze Nacht so gehen. Das ermutigte mich jetzt auch nicht gerade. Also ich brauchte jetzt sofort diese PDA!

Im Zimmer, als die Wehen immer häufiger kamen und kaum noch zu ertragen waren…

Leider hatten wir im voraus das Anästhesie Gespräch nicht gemacht. Da waren die Hebammen und Anästhesisten natürlich nur so semi begeistert. Mittlerweile war es übrigens ca. Acht Uhr abends. Also wurde hoppla di hopp das Gespräch nachgeholt aber in dem Moment hätte ich sowieso allem zugestimmt, Hauptsache die jagen mir da jetzt endlich die Nadel in den Rücken. Als es dann losging war ich schon sehr nervös aber eigentlich hab ich nichts gegen Nadeln und spritzen, deswegen ging es. Ich brauchte jedoch zweimal einen Wehenhemmer, damit ich während die PDA gesetzt wurde, überhaupt still sitzen konnte, ohne dass mich wieder eine Wehe überfiel. Als die Nadel drinnen war, wirkte die Betäubung zum Glück relativ schnell, nach noch zwei oder drei richtig schlimmen Wehen wurde es immer besser und der Schmerz immer erträglicher. Ich konnte endlich ein bisschen aufatmen. Nun kam meine Mama wieder und löste meinen Freund ab, der nach den letzten paar heftigen Stunden auch sehr mitgenommen war. Ich spürte jetzt nur noch einen starken Druck nach unten bei den Wehen aber das Gefühl, als würde es dir innerlich deinen Bauch zerfetzen, war verschwunden. Ich konnte sogar wieder ein bisschen Lachen und schlief sogar nochmal ganz kurz.

Der Muttermund ist jetzt fünf Zentimeter offen. Das war der Stand bei der nächsten Kontrolle. Juhu. Endlich ein bisschen ein größerer Fortschritt. Ich musste jetzt nach der PDA übrigens dauerhaft am CTG sein, einfach zur Sicherheit, ob es dem Baby immer gut geht. Die Entspannung, die ich durch die PDA hatte, hat wohl echt geholfen, dass sich auch der Muttermund entspannen und aufgehen konnte. Da die Schmerzen aber schon wieder heftiger wurden, wurde mir Recht schnell nochmal nachgespritzt. Denn der Muttermund war zwar super aufgegangen aber Ronjas Köpfchen war immernoch sehr weit oben. Es war immernoch nicht fest im Becken. Da hieß es nur weiter abwarten. Zwischendurch war wieder Schichtwechsel zwischen meiner Mama und meinem Freund. Als die Wehenschmerzen sich langsam wieder ins unerträgliche steigerten, wurde sogar noch ein drittes Mal die Betäubung nachgespritzt. Aber die Wirkung war gefühlt nicht mehr so stark, wie davor. Also wieder sehr, sehr starke Schmerzen. Bei der nächsten Untersuchung war der Muttermund sogar schon acht Zentimeter offen. Super. Aber Kopf immernoch oben. Blöd. Jetzt versuchten sie durch Wehenmittel die Kleine Maus anzutreiben, damit ihr Kopf vielleicht doch noch nach unten rutscht. Aua aua aua, wieder ganz heftige Wehen, trotz der PDA…

Mein Freund blieb jetzt bei mir. Er versuchte alles, damit es für mich aushaltbar war. Auf einmal sagt die Hebamme. „Oh, ihr Baby scheint jetzt ein bisschen Stress zu haben. Das ist nicht gut. Das kann sein, dass wir dann, wenn der Kopf jetzt nicht umgehend runterruscht und der Stresspegel zu hoch ist für das Baby, einen Kaiserschnitt machen müssen.“ Ich war total geschockt. Es sollte also ein Test gemacht werden, wie viel Stress meine kleine Raupe hat, um dann die weiteren Schritte zu entscheiden. Dazu müsste Blut aus ihrem Kopf abgenommen werden, und damit wird dann der Stresspegel ausgewertet. Oje, das klang alles sehr beängstigend. Die Hebamme ließ uns mit unseren Sorgen alleine, um alles für diesen Test vorzubereiten.

In dieser Zeit kam aber eine andere Frau in den anderen Kreissaal. Sie schien schon kurz vor der Geburt, bei den Presswehen zu sein. Jedenfalls hörte man sie ziemlich laut schreien. Oje. Die Presswehen scheinen ja nicht sehr angenehm zu sein, dachte ich mir. Jedenfalls lief das aber auch alles nicht ganz so reibungslos bei ihr und alle Hebammen kümmerten sich um sie. Ich und dieser Test waren erstmal vergessen. Blöd nur, dass mein Baby ja eigentlich Stress hat und jetzt keiner hier ist, um das zu überwachen.Naja. Dafür bekam ich irgendwie immer mehr so ein Gefühl, dass ich pressen müsste. Es fühlt sich ganz komisch an. Am Anfang konnte ich dem Drang zu pressen noch widerstehen. Dafür fühlte es sich an, wie ein Presslufthammer der sich in meinem Körper nach unten rüttelt. Meine Mama hat das so wunderbar umschrieben, denn sie hatte genau das gleiche Gefühl bei der Geburt. Jedenfalls lag ich da mit dem Presslufthammer in mir und wartete, bis wieder jemand sich um mich kümmerte.

D

Die Hebamme, die nun hereinkam, kannte ich noch nicht. Sie mussten sie wohl als Verstärkung geholt haben, weil alle anderen sich ja um die andere bald Mama kümmerten. Sie sah sehr freundlich aus. Und bei der Untersuchung war ich so froh als sie mir mitteilte: “ Der Muttermund ist jetzt ganz offen und das Köpfchen ist auch in den Geburtskanal gerutscht. Wenn sie jetzt mitpressen wollen, dürfen sie das gerne machen.“ Diese Nachricht war so erleichternd, denn ich konnte zu dem Zeitpunkt auch schon fast nicht mehr nicht mitpressen. Dann hätte mir wohl der Zwischenfall mit der anderen Gebärenden, die nötige Zeit erkauft, die meine kleine Raupe noch brauchte, um nach unten zu kommen. Endlich, jetzt konnte ich endlich mithelfen und ich war so motiviert, endlich meine Tochter auf die Welt zu bringen. Es war so ca. viertel nach zehn abends. Hoffentlich würde die Kleine noch heute kommen und sich die Presswehen nicht so ewig ziehen. Bei jeder Wehe die kam ganz ich mein Allerbestes und drückte was das Zeug hielt. Ich hatte nur irgendwie immer nicht so viel Luft so ewig zu pressen in einer Wehe. Aber ich versuchte jeder Anweisung der Hebamme zu folgen und gut mitzuhelfen. Ich drückte auch ein bisschen Stuhl heraus. Vorher hatte ich mir darüber oft Gedanken gemacht, dass das bestimmt sehr unangenehm in dem Moment sei. Pfff. Es war mir so egal, meine Aufgabe war es meine Tochter da unten raus zu bringen und das war alles, worauf ich mich konzentrierte. Ich presste und presste. Zwischen den Wehen war ich immer viel zu schnell am atmen und mein Freund und die Hebammen mussten mich beruhigen, damit ich ruhiger atmete, was dem Baby natürlich auch besser tat. Mein Freund machte das eh total super. Er redete mir gut zu und hielt meine Hand. Das half mir sehr. Als sie Hebamme meinte, dass der Kopf jetzt gleich kommen würde, bekam ich noch mehr Motivation. Ein Ende war in Sicht. Bald geschafft.

Die Presswehen im Allgemeinen fand ich eigentlich gar nicht so schlimm. Nur der Moment zwischen den zwei Wehen, wo das Köpfchen nicht mehr drinnen aber auch noch nicht ganz draußen ist, also quasi untenrum alles gedehnt wird, das fand ich jetzt nicht so toll. Aber ansonsten kam ich mit den Presswehen echt besser klar, weil ich eben selber auch was tun konnte. Und auch die Schmerzen empfand ich nicht als so schlimm wie bei den anderen Wehen. “ Der Kopf ist da!“ rief die Hebamme. „Super gemacht. Wollen sie ihn Mal anfassen? Sie hat ganz viele Haare.“ Ich aber noch total in meinem Element schüttelte nur den Kopf und wartete auf die nächste Wehe. Das würde hoffentlich die letzte sein. Dann würde meine Tochter da sein. Ich hörte noch meinen Freund sagen: “ Gleich geschafft mein Schatz.“ Und dann kam die Wehe. Und dann kam meine Tochter. Endlich. Ich war so froh. Zuerst war ich nochmal sehr unsicher, weil sie nicht sofort zu schreien begann, als sie rauskam. Dich sie hatte eben doch echt Stress gehabt bei der Geburt und schon ihren ersten Stuhlgang noch im Mutterleib abgegeben. Deswegen war auch das Fruchtwasser grünlich. Davon hatte sie wohl etwas geschluckt und das musste erstmal raus, bevor sie schreien konnte. Dich dann kam er, der erste Schrei. Diese Erleichterung. Sie wurde mir auf die Brust gelegt. Dieser Moment war so unbeschreiblich schön. Ich sah in das lächelnde Gesicht meines Freundes, wir küssten uns und alles war einfach nur perfekt!

Kurz nach der Geburt. Die kleine Ronja war schon am trinken.